Gangnam – Style

January 14, 2013

gangnamstyle berlinWahrscheinlich hat es auch der letzte mitbekommen: Der Hit des Jahres kommt aus Asien, genauer gesagt aus Korea. PSY hat mit „Gangnam Style“ eine musikalische Persiflage auf den Lebenstil und die Art und Weise des Feierns seiner Landsleute produziert, die in innerhalb weniger tag rund um den Globus die Clubs zu rocken begann. Darin wird sich über die übertrieben selbstsüchtige Kulture vieler Südkoreaner lustig gemacht, die nur noch dem Kommerz und der Dekadenz huldigen ohne sich einen Dreck um andere zu scheren. Den Produzenten hat der Erfolg extrem überrascht und der Song stürmte in Amerika, Europa und in Asien sowieso die Hitparaden! Südkoreas Handelsbilanz hat sich sogar wegen dieses Songs verbessert, da viele Leute nun in dieses sonst eher für Fleiß, Verzicht und den Konflikt mit den Brüdern im Norden stehende Land reisen. Was ist aber nun das besondere daran?
Ich glaube „Gangnam Style“ ist ein Vorbote für die Veränderung unserer Welt. Jahrzehnte (und Jahrhunderte davor) war es die Regel, dass alle global wichtigen Kulturerzeugnisse aus Amerika und Europa kamen, während die Asiaten fast ausschließlich diesen oftmals stumpfsinnigen Schwachfug konsumieren durften. Die Gesellschaften dort sind schließlich noch ganz mit dem Aufbau beschäftig, welche Schwierigkeiten das auch immer mit sich bringen mag. Nun aber beginnen sich die Schwergewichte nach Asien zu verschieben: Dort leben die meisten Menschen, dort befinden sich riesige Rohstoffvorkommen, dort wartet eine hungrige und hoffnungsfrohe Bevölkerung auf ihre Chance. Wenn man nun nicht wie in Nordkorea oder in Burma die Zügel von Seiten der oft noch korrupten Regierung zu eng anzieht, entwickelt sich auch dort Kreativität, die nicht nur im Kopieren oder Ausmalen der Traditionen besteht. Das ist alles noch ganbz frisch, aber wer schon mal dort war, der weiß um die unfassbare Faszination dieser erwachenden Drachen. Viele Menschen dort sind lernwillig, ungemein neugierig und süchtig nach Veränderung. Ganz im Gegensatz zum Westen, der immer alles besser weiß, alles schon gesehen hat und am liebsten die ganze Welt mit seinen Ideen beglücken würde – doch diese Zeiten sind unwiderruflich vorbei! Ich will hier keinem „Asiatischen Zeitalter“ das Wort reden, vielmehr glaube ich an das Aufkommen einer wahrhaft globalen Kultur, deren Zusammensetzung von allen oder zumindest sehr vielen Regionen beeinflusst wird. Und das ist echt in Ordnung, denn mich haben all die ausschließlich amerikanischen Sichtweisen auf die Welt, die uns Hollywood ständig vorlegt, schon lange gelangweilt. Immer nur werden New York und die dortigen Probleme geschildert, die Außerirdischen greifen zuerst Washington an und so weiter und so fort. Die Welt reicht aber nicht von der Fifth Avenue bis zum Times Square und es interessiert mich genauso, wie Polizisten in Shanghai ihre Arbeit erledigen – wenn es darüber endlich mal Filme, Bücher und dergleichen gibt, die uns auch zur Verfügung stehen. Wir können das noch gar nicht ermessen, was sich da entwickeln wird und ich hoffe, dass es ähnlich kreativ, ironisch und vor allem friedlich zugeht wie das der Song „Gangnam Style“ geschafft hat. Künstler sind Produzenten echter Werte – egal wo sie herkommen und ihre Leistung misst sich allein am Echo.